Im Auftrag der Vereinten Nationen im Süden des Sudan, Teil 1/3
Erfahrungen aus dem UNMIS-Einsatz 2007/2008 von Uwe Nerger, Oberst im Generalstabsdienst
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Fast 50 Jahre Bürgerkrieg
Das Leben im Süden des Sudan, dem flächenmäßig größten Staat Afrikas, wurde in den letzten fünf Jahrzehnten durch Bürgerkrieg bestimmt. Nun nehmen die Unabhängigkeitsbestrebungen des christlich-animistischen Südens gegen die voranschreitende Islamisierung aus Khartoum Gestalt an.
Am 1.1.1956 wurde die Unabhängigkeit des Sudan durch das Vereinigte Königreich anerkannt, ein Datum, das noch heute hinsichtlich der Auseinandersetzung über die Grenzziehung (zwischen dem Norden und Süden mehr als aktuell ist. Diese Phase dauerte 17 Jahre und endete in der Teilautonomie des Südens.
Mit Einführung der islamischen Rechtssprechung ging der Bürgerkrieg in seine "zweite Phase". Der Konflikt eskalierte dadurch, dass dem Norden vorgeworfen wurde, alleinigen Nutzen aus dem Erdölvorkommen zu ziehen und eine nachdrückliche Forderung nach wirtschaftlicher Beteiligung der südlichen Bundesstaaten strikt abzulehnen.
2005: Waffenstillstand
Ab 2001 gab es vereinzelte Waffenstillstandsbemühungen und -verhandlungen, sowie Bestrebungen über Teilabkommen, die u.a. von den afrikanischen Nachbarstaaten, den USA und den Vereinten Nationen massiv unterstützt wurden. Der Durchbruch gelang aber erst vier Jahre später, am 9. Januar 2005, mit der Unterzeichnung des Comprehensive Peace Agreement (CPA).
Das CPA hat eine Laufzeit von 6 Jahren und soll durch ein Referendum über die Zukunft des Südens in zwei Monaten am 9. Januar 2011 endgültig Frieden bringen. Man muss kein Prophet sein, um die Brisanz dieses Referendums zu erkennen.
Eine "Entweder-Oder-Politik" ohne Lösung der offenen Fragen wird dieses Land meines Erachtens innenpolitisch unweigerlich in das Jahr 1955 und wahrscheinlich in einen neuen Bürgerkrieg zurückwerfen.
UNMIS - die UNO-Mission im Südsudan
Zur Unterstützung des CPA beschloss der UN-Sicherheitsrat in seiner Resolution 1590 vom 24. März 2005, die Friedensbemühungen unter anderem durch eine internationale Friedenstruppe von bis zu 10.000 Soldaten zu begleiten. Der Operationsplan lässt sich verkürzt wie folgt beschreiben:
- Überwachung der Einhaltung des Friedens
- Unterstützung bei der Trennung der Streitkräfte des Nordens und Südens
- Unterstützung der Eingliederung irregulärer bewaffneter Kräfte
- Unterstutzung bei der Aufstellung und Ausbildung gemeinsamer Kräfte
- Unterstützung bei Demobilisierung, Entwaffnung und Reintegration von Truppen
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